Die Tradition des Räucherns in Japan Der Weg des Koh-do - dem Duft lauschen

Die Geschichte des Räucherns in Japan

Im Land der aufgehenden Sonne entwickelte sich das Räuchern, genannt „Koh“, zur höchsten und feinsinnigsten Duftkultur der Welt. Man geht davon aus, dass die Japaner mit der Einführung des Buddhismus im 6. Jahrhundert auch den Brauch des Räucherns von den Chinesen übernommen haben. Zunächst diente das Räuchern ausschließlich sakralen Zwecken („Sonae-Koh“), z. B. bei religiösen Festen, zur Weihung neuer Mönche, zum Gedenken an Verstorbene oder als Mittel zur Vertiefung der Meditation.

Im 8. Jahrhundert fanden auch die Adligen am kaiserlichen Hof in Kyoto Gefallen an den erlesenen Düften. Nun wurde nicht mehr nur zu sakralen, sondern auch zu weltlichen Zwecken geräuchert. Das sogenannte „Soradaki“ - das „leere“ oder „nutzlose“ Räuchern -, das nur dem Vergnügen diente und keinen religiösen Hintergrund mehr hatte, erreichte seinen Höhepunkt in der Heinan-Epoche (ca. 700 bis 1150 n. Chr.).

Im 11. Jahrhundert schrieb die Hofdame der Kaiserin Murasaki Shikibu „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, einen 1.800 Seiten umfassenden Klassiker der japanischen Literatur. Im ältesten Liebesroman der Welt erzählt die Hofdame von den romantischen Liebesabenteuern des Prinzen Genji, der die Frauen mit den kostbarsten Düften betörte und der Leser erfährt viel über das Leben der Adligen am Kaiserhof von Kyoto.

In dieser Zeit wurden in Adelskreisen ästhetische Duftwettkampfspiele, genannt „Koh-awase“, entwickelt, bei denen es darum ging, einzelne Räucherstoffe am Duft zu erkennen oder die wohlriechendste Duftmischungen, die oft den Jahreszeiten, aber auch Themen aus der Literatur, Malerei  und Architektur zugeordnet wurden, zu kreieren.

Aus den Duftspielen der Adligen entwickelte sich mit der Zeit die Räucherzeremonie „Koh-do“, der Weg, dem Duft zu lauschen (Koh = Duft, Do = Weg). Bei diesem kunstvollen Ritual, das die Konzentration fördern, das Bewusstsein steigern und den Geist leeren soll, werden mit Hilfe besonderer Utensilien kostbare Aromahölzer sanft erhitzt.

Die Koh-Do-Zeremonie gehört wie die Teezeremonie Sadõ, die Kalligraphie Shodõ oder die die Kunst des Blumenbindens Ikebana zu den schöngeistigen Künsten. Sie ist schwierig zu erlernen und erfordert viele Jahre Training bis zur perfekten Ausführung. Sie wird von einem Koh-do-Meister geleitet und nach genau festgelegten Regeln durchgeführt. Der Meister bereitet den Räucherbecher vor, der anschließend von einem Teilnehmer zum nächsten weitergereicht wird. Die Gäste nehmen einige Atemzüge und „lauschen dem Duft“. Dabei versuchen Sie, die jeweiligen Düfte zu erkennen und zuzuordnen.

Eine Anleitung zum Räuchern mit dem Räucherbecher nach der japanischen Räuchermethode „Mon-koh“ finden Sie hier.

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Räuchermethode "Mon-Koh"

Räuchermethode "Mon-Koh"

Japanische Räucherstäbchen

Japanische Räucherstäbchen

Japanisches Räucherwerk

Japanisches Räucherwerk

Japanische Räucherstäbchen

Japanische Räucherstäbchen

Japanische Räuchermischungen sind meist recht kräftig und würzig, während man in Europa eher sanftere Düfte bevorzugt. Ursprünglich wurden in Japan zum Räuchern fünf bis sieben verschiedene Räucherstoffe verwendet: Adlerholz (Jinkoh), Sandelholz, Zimt, Nelken, Kampfer, Ingwer und Amber. Granulatmischungen aus diesen und anderen Räucherstoffen, genannt Shokoh, werden auch heute noch in den buddhistischen Tempeln für religiöse Zwecke verwendet.

Räucherstäbchen, bis dahin in Japan nicht bekannt, wurden erstmals während der Muromachi-Periode (1338–1573) aus China in Japan eingeführt. Erst in der Edo-Zeit (1603–1867), in der der Handel mit anderen Nationen stark eingeschränkt wurde, entwickelte sich in Japan die Kunst der Herstellung von Räucherstäbchen, die bis heute immer weiter perfektioniert und verfeinert wurde.

Im Land der aufgehenden Sonne findet man bis heute das edelste und feinste Räucherwerk der Welt. Das Räuchern ist bei den Japanern auch heute noch ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Räucherstäbchen werden bei Tempelbesuchen als Opfer für die Götter entzündet, zu Ehren der Ahnen am Hausaltar oder bei Grabbesuchen, zur Unterstützung der Meditation, aber auch zur Beduftung oder energetischen Reinigung von Räumen und zum reinen Duftgenuss ohne Ritual.

Mehr über japanische Räucherstäbchen können Sie hier nachlesen.  

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Japanische Räucherkegel

Japanische Räucherkegel

Japanisches Duftpulver

Japanisches Duftpulver

Japanisches Räucherstövchen

Japanisches Räucherstövchen

Japanische Duftblüten

Japanische Duftblüten

Die zehn Tugenden von Koh

Koh“ bedeutet auf Japanisch „Räucherduft“. Im 16. Jahrhundert fasste ein Zen-Priester „Die zehn Tugenden des Koh“ zusammen, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben:

  • Koh fördert die Kommunikation mit der Welt des Transzendentalen.
  • Koh reinigt Körper, Geist und Seele.
  • Koh reinigt die Atmosphäre.
  • Koh erweckt die Sinne und fördert die Achtsamkeit.
  • Koh ist ein Freund und Begleiter in Zeiten der Einsamkeit.
  • Koh bringt Momente des Friedens und der Besinnung in einen hektischen Alltag.
  • Selbst wenn man Koh im Überfluss genießt, wird man dessen nie müde.
  •  Schon mit wenig Räucherwerk fühlt man sich zufrieden.
  • Koh verliert auch durch langes Lagern nicht an Duft und Wirkung.
  • Auch bei täglichem Gebrauch schadet das Koh nicht.